Warum Reproduzierbarkeit und Replizierbarkeit wichtig sind

Reproduzierbarkeit bezeichnet im engen Sinne die Möglichkeit, mit den identischen Daten und Berechnungswegen das gleiche Ergebnis zu erzielen. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass Forschung entweder reproduzierbar ist oder nicht. Replizierbarkeit beziehungsweise Replikationen sind hingegen ein weiterer Begriff. Hier steht die Robustheit von Forschungsergebnissen im Mittelpunkt. Dafür werden entweder die selben Berechnungswege auf andere Daten angewendet oder die gleichen Daten werden mit anderen Berechnungswegen analysiert. Reproduzierbarkeit ist also recht eng gefasst, wohingegen Replikationen weiter gefasst sind.

Ein Problem ist jedoch, dass ein großer Prozentsatz der Studien nicht erfolgreich reproduziert beziehungsweise repliziert werden kann. Daher wird von einer Replikationskrise gesprochen. Diese gefährdet das Vertrauen in die Wissenschaft. Dieses Problem wurde zunächst in der Psychologie thematisiert und anschließend in einer großen Anzahl weiterer Disziplinen. Gemäß einer Umfrage unter 1.500 Forschenden, die 2016 in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde, haben 70 % von ihnen mindestens ein Experiment einer:eines anderen Wissenschaftlerin:Wissenschaftlers nicht reproduzieren können. 50 % von ihnen konnten auch eines ihrer eigenen Experimente nicht reproduzieren. Diese Zahlen sind natürlich von Disziplin zu Disziplin unterschiedlich. Dabei ist zu beachten:

  1. Das Scheitern der Replikation eines Experiments bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Hypothese oder die ursprünglichen Ergebnisse fehlerhaft sind, sondern kann andere Ursachen haben.
  2. Der fehlende Zugang zu den zugrundeliegenden Forschungsrohdaten und Analyseskripten erschwert die Replikation von Studien.
  3. Die Preregistrierung des Experimentdesigns reduziert das Risiko von Verzerrungen und individuellen Interpretationen im Zuge der Datenanalyse.

Die DFG hat 2017 unter dem Titel “Replizierbarkeit von Forschungsergebnissen” (PDF) eine Stellungnahme veröffentlicht. Sie geht darauf ein, dass auch die Nicht-Replizierbarkeit eines Ergebnisses ein wissenschaftliches Ergebnis darstellt und keinen generellen Falsifikationsbeweis.

Die Reproduzierbarkeit beziehungsweise Replizierbarkeit von Forschung ist dabei weder Selbstzweck noch Qualitätsgarantie. So kann zu 100 % reproduzierbare Forschung von geringem Eigenwert sein. Die Reproduzierbarkeit variiert je nach Disziplin und verwendeten Methoden. Reproduzierbare Forschung durchzuführen bedeutet, auf die Genauigkeit der verwendeten Methoden zu achten und alle Schritte des wissenschaftlichen Prozesses zu dokumentieren, um dessen Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Sind alle Informationen über ein Forschungsprojekt zugänglich, ist es anderen grundsätzlich möglich, die Forschungsergebnisse zu reproduzieren.

Replikationen sind für die Glaubwürdigkeit der empirischen Ökonomie von zentraler Bedeutung. Nur replizierbare und belastbare Ergebnisse können verallgemeinert werden. Und nur verallgemeinerbare Ergebnisse können als evidenzbasierte Ratschläge für die Wirtschaftspolitik dienen. Und doch werden Replikationsstudien nur selten in wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, da es an Anreizen mangelt. So war es in der Vergangenheit oft schwierig, Anerkennung für diese Arbeit zu erhalten und damit Publikationen in zitierfähigen Journals zu bekommen. Mittlerweile gibt es einige Ansätze, die diesem Problem begegnen.

Viele Ökonom:innen führen im Laufe ihrer Forschungskarriere sowieso an verschiedenen Stellen eine Reproduktion oder Replikation durch. Dies kommt beispielsweise vor, weil sie eine ähnliche Richtung für die eigene Forschung einschlagen wollen und dafür eine bekannte Methode nachbilden. Diese Reproduktionen oder Replikationen könnten auch veröffentlicht werden, ohne dass ein großer zusätzlicher Aufwand entsteht. Speziell mit der Bedeutung von Reproduktionen oder Replikationen in den Wirtschaftswissenschaften beschäftigt sich der Ökonom Lars Vilhuber in seinem Beitrag Reproducibility and Replicability in Economics.

Replikationsstudien können veröffentlicht werden im:

Netzwerke, die Reproduzierbarkeit beziehungsweise Replizierbarkeit von Forschung fördern sind das German Reproducibility Network (GRN) sowie das The Replication Network – Furthering the Practice of Replication in Economics. Das German Reproducibility Network (GRN) ist ein interdisziplinäres Konsortium, das als Ziel hat, die Vertrauenswürdigkeit und Transparenz wissenschaftlicher Forschung zu erhöhen. Dafür untersucht und fördert es die Faktoren, die zu zuverlässiger Forschung beitragen, mit Trainingsaktivitäten und dem Verbreiten von Best Practices. Das The Replication Network – Furthering the Practice of Replication in Economics ist ein Netzwerk, dass sich die Förderung von Replikationen in den Wirtschaftswissenschaften zur Aufgabe gemacht hat und in dem bereits viele Ökonom:innen weltweit registriert sind.

Tipp

Der TOP Factor hilft dabei, Zeitschriften auszuwählen, die Wert auf Transparenz von Forschungsdaten und Reproduzierbarkeit legen.