Signalling und Monitoring von Open Science
Neben der Frage, wie Open-Science-Praktiken bei der Forschungsevaluation berücksichtigt werden, stellt sich auch die Frage, wie ihre Verbreitung erkennbar gemacht und nachvollzogen werden kann.
Badges wie die Open Science Badges des Center for Open Science sind ein Beispiel für Signalling: das gezielte Sichtbarmachen offener Forschungspraktiken nach außen. Sie geben Lesenden schnell und einfach eine visuelle Auskunft darüber, welche Open-Science-Praktiken in einer Publikation umgesetzt wurden. Dadurch dienen sie als Anreiz für Forschende, Open Data und andere Forschungsmaterialien zu teilen und Präregistrierung zu betreiben, und zertifizieren, dass die entsprechenden Inhalte an einem dauerhaft zugänglichen Ort verfügbar sind.
Open-Science-Badges werden bislang überwiegend von Fachzeitschriften aus der Psychologie und den Neurowissenschaften angeboten. In den Wirtschaftswissenschaften nutzen bislang nur einzelne Zeitschriften wie der Strategic Management Journal oder Management and Organization Review die Badges des Center for Open Science – die Verbreitung steht hier noch am Anfang.
Es gibt empirische Evidenz dafür, dass die Einführung von Badges den Anteil an Artikeln mit offenen Daten deutlich erhöhen kann. Zudem können Open-Science-Badges das Vertrauen in Forschende steigern, wie die Studie "Do Open Science Badges Increase Trust in Scientists among Undergraduates, Scientists, and the Public?" im Kontext der Psychologie zeigt.
Während Badges auf Ebene einzelner Artikel signalisieren, ob Open-Science-Praktiken angewendet wurden, gibt es zunehmend Bestrebungen, deren Verbreitung auch systematisch zu messen – auf der Ebene von Fachzeitschriften, Institutionen, Disziplinen und Ländern. Das ist wichtig, weil nur so erkennbar wird, ob Open-Science-Policies tatsächlich wirken, wo Lücken bestehen und wie sich Forschungspraktiken über Zeit und Disziplinen hinweg verändern.
Ein konkretes Instrument dafür sind die Open Science Indicators (OSI) von PLOS. Mithilfe von Textanalyse und Sprachmodellen werden fünf Open-Science-Praktiken automatisch aus publizierten Artikeln extrahiert: das Teilen von Daten und Code, die Veröffentlichung von Preprints, das Offenlegen von Protokollen und die Präregistrierung. Die Ergebnisse werden in einem frei zugänglichen Dashboard dargestellt. Da die Datengrundlage begrenzt ist und überwiegend natur- und lebenswissenschaftliche Publikationen umfasst, ist die Aussagekraft jedoch eingeschränkt.
Auf nationaler Ebene gibt es bereits einige Monitoring-Initiativen für Open-Science-Praktiken, etwa den French Open Science Monitor, den Slovenian Open Science Monitor oder den Japan Open Science Monitor. Auf europäischer Ebene bietet das Open Science Observatory von OpenAIRE länderbezogene Indikatoren zu Open-Science-Aktivitäten in Europa. Das EOSC Open Science Observatory misst nicht nur Forschungserzeugnisse sondern auch Open-Science-Policies, -Infrastrukturen und -Investitionen in Europa und richtet sich damit gezielt an Entscheidungsträger:innen.
Auf globaler Ebene koordiniert die Open Science Monitoring Initiative (OSMI) – 2023 gegründet unter anderem von PLOS, UNESCO, Charité und SPARC Europe – die Entwicklung gemeinsamer Prinzipien für ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Monitoring von Open Science weltweit. Das EOSC Observatory orientiert sich explizit an diesen Prinzipien.