Open Science in den Wirtschaftswissenschaften
In den Wirtschaftswissenschaften ist seit einigen Jahren eine zunehmende Transformation hin zu Open Science zu beobachten. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist die wachsende Bedeutung von Reproduzierbarkeit und Replizierbarkeit wirtschaftswissenschaftlicher Forschung. Fehlende Transparenz – insbesondere die mangelnde Verfügbarkeit von Daten und Code – schränkt die Überprüfbarkeit empirischer Ergebnisse erheblich ein. Wenn andere Forschende eine Studie nicht nachvollziehen oder reproduzieren können, lässt sich weder beurteilen, ob die Ergebnisse korrekt sind, noch lässt sich auf ihnen aufbauen. [1] [2] [3]
Dies hat beispielsweise direkte Konsequenzen für die wirtschaftspolitische Beratung und für die Unternehmensführung und -beratung. Denn Forschungsergebnisse, die nicht unabhängig überprüft werden können, bilden eine unsichere Grundlage für politische wie unternehmerische Entscheidungen. Transparenz in Daten und Methoden ist daher nicht nur eine Frage guter wissenschaftlicher Praxis, sondern eine Voraussetzung für glaubwürdige Forschung. [4] [5]
Auf internationaler Ebene haben sich verschiedene Initiativen etabliert, die Open-Science-Praktiken in den Wirtschaftswissenschaften aktiv fördern. Die Berkeley Initiative for Transparency in the Social Sciences (BITSS) setzt sich zum Beispiel für verbesserte Forschungstransparenz ein und unterstützt Forschende dabei, offene Praktiken in ihrer Arbeit zu verankern. [6] Das Evidence in Governance and Politics Network (EGAP) fördert darüber hinaus konkret die Präregistrierung von Studien als Mittel zur Steigerung der Glaubwürdigkeit empirischer Forschung, insbesondere im Bereich Feldexperimente und evidenzbasierter Politikberatung.
Speziell zur Förderung von Reproduzierkbarkeit und Replizierbarkeit haben viele führende wirtschaftswissenschaftliche Fachzeitschriften wie die American Economic Association (AEA) verbindliche Daten- und Code-Richtlinien eingeführt. Dies beschleunigt die Transformation hin zu Open Science weiter. Diese Entwicklung wird außerdem durch internationale Initiativen wie i4Replication, das Netzwerk der Social Science Data Editors sowie Publikationsformate wie das Journal of Comments and Replications in Economics unterstützt.
Die Umsetzung von Open Science basiert letztlich auf konkreten Praktiken wie Open Access, Open Data, Open Code aber auch Open Educational Resources.
Auch in Deutschland zeigen sich strukturelle Entwicklungen hin zu Open Science in den Wirtschaftswissenschaften. Auf Ebene der Fachgesellschaften hat beispielsweise der Verein für Socialpolitik (VfS) das Thema Open Science zum Verbandsschwerpunkt für 2025–2026 erklärt und zu dessen Umsetzung eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Darüber hinaus greift der Verein Open Science in seinem Ethikkodex auf, der Transparenz, Überprüfbarkeit sowie die Bereitstellung von Daten und Programmen zur Replikation empirischer Ergebnisse fordert.
Auf Infrastrukturebene gibt es mit NFDI4Society und BERD zwei Initiativen innerhalb der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) für die Wirtschaftswissenschaften. Das Konsortium für die Sozial-, Bildungs-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD) ist eine Initiative hinter NfDI4Society, die Forschende beim Forschungsdatenmanagement und der Nachnutzung von Daten im Einklang mit den FAIR-Prinzipien unterstützt.
Quellen:
[1] Dewald, William G.; Thursby, Jerry G.; Anderson, Richard G.: Replication in Empirical Economics: The Journal of Money, Credit and Banking Project. In: American Economic Review, 76(4), 587–603, 1986