Was ein Mocktail über Replikation verrät: Open Science auf der VHB-Tagung

Was ein Mocktail über Replikation verrät: Open Science auf der VHB-Tagung

Replikation, Datentransparenz und Dokumentation klingen für manche abstrakt und nach Pflichtprogramm, bieten aber viele Vorteile für die Forschungspraxis. Open Science zu vermitteln, bedeutet daher, mehr als Begriffe zu erklären. Wie der praktische Nutzen für die eigene Forschungspraxis auch am Ende eines langen Konferenztags vermittelt werden kann, zeigte eine Open Science Happy Hour bei der VHB-Tagung.

Wie lässt sich über Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Replizierbarkeit so sprechen, dass daraus mehr wird als ein Appell? Auf der VHB-Tagung, der Tagung des Verbands der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft, wurde darauf am 18. März 2026 in Göttingen mit einem Format geantwortet, das bewusst einen anderen Zugang wählte: die Open Science Happy Hour. Statt eines weiteren Vortrags setzte das gemeinsame Angebot von ZBW und BWL-Forschenden auf eine spielerisch-interaktive Vermittlung, die Information, Austausch und eigene Erfahrung miteinander verband.

Steigende Anforderungen an Transparenz in der BWL

Open Science ist in der Betriebswirtschaftslehre längst mehr als ein wissenschaftspolitisches Schlagwort. Anforderungen an Datentransparenz, Reproduzierbarkeit und Dokumentation prägen zunehmend die Forschungspraxis. Dass eine nachvollziehbare Dokumentation des Forschungsprozesses, transparente methodische Entscheidungen und eine klare Aufbereitung der Ergebnisse die Wissensproduktion belastbarer machen und damit zu guter Wissenschaft beitragen, ist keine neue Erkenntnis. Im Alltag von Forschenden bleibt jedoch oft abstrakt, was „gute“ Dokumentation konkret bedeutet.

Genau hier setzte das Format der Open Science Happy Hour an: Mithilfe einer einfachen, aber wirkungsvollen Metapher übersetzte es zentrale Gedanken von Open Science in eine erfahrbare Situation. So wurde sichtbar, wie stark wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit von guter Dokumentation abhängt. Entwickelt wurde das Format von den Co-Autor:innen des Reiseführers Expedition Open-Science-Land (mehr dazu in diesem OEG-Blogartikel): Professor Dr. Marko Sarstedt und Dr. Susanne Adler von der LMU München, Dr. Doreen Siegfried von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft sowie Dr. Meikel Neumann von der Leuphana Universität Lüneburg.

Replikation ohne vollständiges Rezept: eine Herausforderung

Im Zentrum stand ein Replikations-Spiel mit einfacher Grundidee: Zwei Teams sollten denselben Mocktail – den „Replication Sunrise" – nachmischen, Team 1 mit einem unvollständigen Rezept, Team 2 mit einer vollständigen Anleitung. Beide Gruppen hatten also dieselbe Aufgabe, aber unterschiedliche Informationsgrundlagen.

Genau in dieser Differenz lag der didaktische Kern der Übung: Wer Lücken im Rezept vorfindet, muss Annahmen treffen, Reihenfolgen erraten und mit Unsicherheit umgehen – und kommt womöglich zu einem anderen Ergebnis. Die Übung machte damit in wenigen Minuten körperlich erfahrbar, was in der Forschung oft erst nach längerer Auseinandersetzung sichtbar wird: Ob sich ein Ergebnis reproduzieren lässt, hängt nicht nur vom Willen der Beteiligten ab, sondern maßgeblich davon, wie gut Materialien, Schritte und Entscheidungen dokumentiert sind.

Ein Mocktailrezept ist in seiner Logik einem Forschungsprotokoll nicht unähnlich. Es braucht Angaben zu Ausgangsmaterialien, Mengen, Reihenfolge und Ausführung der Arbeitsschritte und mitunter auch zu Bedingungen, die oft stillschweigend vorausgesetzt werden. Fehlen solche Informationen, ist das Resultat offen für Abweichungen, wie sich an der Mitmachstation direkt beobachten ließ.

Vom Mocktail zur Methodenselektion: Transfer in die Forschungspraxis

Bei der Auswertung wurde schließlich das praktische Erleben anhand von drei Leitfragen reflektiert: Was war gut umsetzbar? Was hat gefehlt? Wie könnte man das Rezept verbessern? Diese Fragen richteten sich zwar vordergründig auf den Mocktail, zielten aber erkennbar auf Forschungsprozesse: auf die Anforderungen an gute Dokumentation, die Bedeutung transparenter Entscheidungen und die Qualität von Anleitungen, mit denen andere arbeiten sollen.

Wer in der Open Science Happy Hour selbst erlebt hat, welche Unsicherheiten durch unklare oder lückenhafte Angaben entstehen, wird die eigene Dokumentationspraxis möglicherweise künftig bewusster reflektieren.

Tipp: Wenn Sie mehr über Replikation erfahren wollen, ist dieser Eintrag im Open Economics Guide ein guter Ausgangspunkt.
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