Das Schreiben eines wissenschaftlichen Artikels erfordert viel Zeit und Mühe. Umso wichtiger ist es, dass Ihre Arbeit auch wahrgenommen wird. Nicht nur von politischen Entscheidungsträger:innen und der Öffentlichkeit, sondern auch von anderen Forschenden: Das fördert den wissenschaftlichen Fortschritt und kann Ihnen zudem Anerkennung von denjenigen einbringen, die Ihren Beitrag wirklich einzuschätzen wissen. In diesem Blogpost erfahren Sie, mit welchen sechs Schritten Sie die Reichweite und Zitationen Ihrer Publikation mithilfe von Open-Science-Tools maximieren können. Die meisten Schritte nehmen weniger Zeit in Anspruch als erwartet, können aber Ihre Reichweite erheblich steigern können.
Open Science kann wie eine weitere Verpflichtung wirken, die durch Förderanforderungen oder institutionelle Richtlinien auferlegt wird. Und es stimmt: Die offene Weitergabe Ihrer Arbeit kommt der Wissenschaft und der Gesellschaft insgesamt zugute. Sie beschleunigt den wissenschaftlichen Fortschritt und erweitert die Reichweite von Forschung über akademische Kreise hinaus. Es gibt jedoch auch gute Gründe, dabei die eigenen Interessen im Blick zu behalten. Offen geteilte Forschung ist sichtbarer, wird häufiger zitiert und bringt Ihnen eher Anerkennung von Forschenden ein, die Ihren Beitrag wirklich würdigen können. Die gute Nachricht: Dafür müssen Sie Ihre Arbeitsweise nicht grundlegend umstellen. Die meisten der nötigen Schritte nehmen deutlich weniger Zeit in Anspruch, als Sie vielleicht erwarten. In diesem Beitrag stellen wir sechs konkrete Schritte vor, die dem natürlichen Verlauf einer Publikation folgen.
Schritt 1: Preprint hochladenDas Hochladen eines Preprints vor der formellen Begutachtung stellt sicher, dass Ihre Arbeit vom ersten Tag an zugänglich ist – und nicht erst nach einem möglicherweise langwierigen Review-Prozess. Für Forschende der VWL und BWL eignen sich besonders EconStor und SSRN; OSF Preprints und Preprints.org sind gute fachübergreifende Alternativen.
Tipp: Prüfen Sie vor dem Hochladen die Preprint-Richtlinie Ihrer Zielzeitschrift über den Open Policy Finder.
➡ Preprints veröffentlichen und Feedback erhalten
Schritt 2: Angenommenes Manuskript offen zugänglich machenSobald Ihr Artikel angenommen wurde, ist die offene Zugänglichmachung einer der wirkungsvollsten Schritte für mehr Sichtbarkeit. Viele Verlage erlauben die Hinterlegung des angenommenen Manuskripts in einem Repositorium wie EconStor, MPRA oder Zenodo – oft ohne Embargo. Tools wie ShareYourPaper und Free Your Science zeigen Ihnen, was für Ihre Zeitschrift erlaubt ist, und führen Sie durch den Upload-Prozess.
➡ Selbst im Open Access Publizieren | Die passende Art von Open Access auswählen
Schritt 3: Zugrunde liegende Forschungsdaten veröffentlichenIn einem Repositorium hinterlegte Datensätze erhalten eine eigene DOI, wodurch sie unabhängig auffindbar und zitierbar sind. Ihre Forschung gewinnt also nicht nur durch den Artikel an Sichtbarkeit, sondern auch durch die zugrundeliegenden Daten. Geeignete Repositorien sind unter anderem OpenICPSR, SowiDataNet|datorium und das ZBW Journal Data Archive sowie Zenodo, Figshare, oder OSF.
Tipp: Veröffentlichen Sie Ihre Daten idealerweise zeitgleich mit dem Manuskript, damit der Datensatz direkt verlinkt und zitiert werden kann.
➡ Open Data selbst veröffentlichen | Geeignetes Repositorium für Forschungsdaten auswählen | Welche Daten veröffentlicht werden dürfen
Schritt 4: Code teilenDas offene Teilen Ihres Codes stellt sicher, dass Sie Anerkennung für ein Forschungsergebnis erhalten, das sonst unsichtbar bliebe, und erhöht die Reproduzierbarkeit Ihrer Arbeit. Prüfen Sie zunächst, ob Ihre Zielzeitschrift ein eigenes Code-Repositorium hat. Mehrere AEA-Zeitschriften sowie das ZBW Journal Data Archive bieten dies an. Sie können Ihren Code auch in Zenodo, Figshare, oder OSF hinterlegen.
Tipp: Stellen Sie sicher, dass Ihr Code mit einer README-Datei dokumentiert, unter einer offenen Lizenz veröffentlicht und über CFF Init zitierbar ist.
➡ Open Code selbst veröffentlichen | Veröffentlichungsort für Open Code auswählen | Open Code zitierbar machen
Schritt 5: Konferenzfolien offen zugänglich machenDas Hochladen Ihrer Folien in ein Repositorium macht sie dauerhaft auffindbar und zitierbar. Unter einer offenen Lizenz veröffentlicht, gelten sie als Open Educational Resources, auf die andere frei aufbauen können. Zenodo ist die unkomplizierteste Option: Der Upload dauert nur wenige Minuten und liefert eine DOI, die Sie auf Ihrer Website teilen oder Ihrem ORCID-Profil hinzufügen können.
Tipp: Generell wird eine Creative-Commons-Lizenz CC BY empfohlen.
➡ Veröffentlichungsort für OER auswählen | OER unter einer geeigneten Lizenz veröffentlichen
Schritt 6: ORCID-Profil aktualisierenEine ORCID iD ist ein eindeutiger, dauerhafter Identifikator, der sicherstellt, dass alle Ihre Forschungsergebnisse – Artikel, Daten, Code, Folien – korrekt Ihnen zugeordnet und an einem Ort zusammengeführt werden. Falls Sie noch keine haben: Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten auf orcid.org. Nach der Registrierung fügen Sie Ihre neue Publikation und alle Ergebnisse aus den vorherigen Schritten Ihrem Profil hinzu.
➡ Warum ORCID iDs wichtig sind | Mehr Sichtbarkeit mit ORCID iD: So einfach geht’s
Zusammengenommen zeigen diese Schritte, dass Open Science nicht nur eine Frage der Ethik oder der Einhaltung von Richtlinien ist, sondern auch eine der wirksamsten Methoden, um die Sichtbarkeit Ihrer Forschung zu erhöhen. Ein Artikel, der nicht über diese Kanäle geteilt wird, gleicht einem hervorragenden Produkt ohne Marketing: Er mag exzellent sein, erreicht aber ein deutlich kleineres Publikum als möglich wäre.
Tipp: Möchten Sie mehr über die in diesem Beitrag behandelten Open-Science-Praktiken erfahren? Die Wissensdatenbank des Open Economics Guide bietet detaillierte Hintergrundinformationen und weiterführende Hinweise zu allen sechs Schritten.