Zusammenhang von Open Science und guter wissenschaftlicher Praxis

Gute wissenschaftliche Praxis beschreibt grundlegende Regeln und Verhaltensweisen, die Forschungsintegrität und damit das Vertrauen in das Wissenschaftssystem sichern sollen. Diese Regeln und Verhaltensweisen werden von verschiedenen Verbänden und Institutionen festgehalten. Sie sind etwa im Singapore Statement on Research Integrity übersichtlich zusammengefasst und in 25 Sprachen übersetzt worden. The European Code of Conduct for Research Integrity enthält eine Übersicht über gute wissenschaftliche Praktiken. Verschiedene internationale Codes of Conduct and Research Integrity Reports sind auf der Seite des Ombuds Committee for Scientific Integrity in Germany verzeichnet. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht und aktualisiert regelmäßig entsprechende “Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis” (PDF).

In der Umsetzung spielen dabei offene Praktiken wie das Veröffentlichen in Open Access und die Bereitstellung von Forschungsdaten als Open Data eine zunehmende Rolle. Letztlich gibt es sehr große Überschneidungen zwischen guter wissenschaftlicher Praxis und Open Science beziehungsweise Open Science wird als der Weg angesehen, um gute wissenschaftliche Praxis ins digitale Zeitalter zu überführen. In den Wirtschaftswissenschaften spielt in diesem Zusammenhang die „Credibility Revolution“ im Kontext evidenzbasierter Politik und empirischer Forschung eine wichtige Rolle, wodurch Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Forschung und damit Offenheit stärker in den Vordergrund gerückt sind.

Somit kann Open Science als ein konkreter Werkzeugkasten zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Integrität von Forschung betrachtet werden. Digitale Tools und Dienste, die Open Science ermöglichen, decken zugleich Publikationsverzerrungen, schlechte oder schlampige Praktiken und Betrug auf und dienen damit auch der Forschungsethik, -praxis und -integrität. Ziel der Herstellung von Forschungsintegrität ist es dabei nicht, ehrliche Fehler oder “Versagen” zu bestrafen, sondern sicherzustellen, dass der Prozess und die Praxis der Forschung so zuverlässig wie möglich sind. Publikationsverzerrungen entstehen zum Beispiel, wenn Forschende ungültige, negative und nicht schlüssige Ergebnisse nicht veröffentlichen. Gute Forschungspraxis sollte daher die Weitergabe solcher Ergebnisse erfordern, um diese Verzerrung zu verringern. Open Science bietet verschiedene Werkzeuge, die dies fördern. Eine unterstützende Forschungskultur hilft zudem, ein dennoch fehlertolerantes und risikobereites Wissenschaftssystem zu schaffen. Eine Fokussierung auf die gemeinsame Nutzung von Ergebnissen und die Wertschätzung des Teilens bei der Bewertung von Forschung ist in dieser Hinsicht zentral und zeigt wiederum Überschneidungen mit der Open-Science-Bewegung, die hierfür förderlich ist.

Im The European Code of Conduct for Research Integrity lauten Empfehlungen für eine gute wissenschaftliche Praxis, die sich mit Open Science überschneidet, etwa: “Researchers publish results and interpretations of research in an open, honest, transparent and accurate manner, and respect confidentiality of data or findings when legitimately required to do so”, “Researchers report their results in a way that is compatible with the standards of the discipline and, where applicable, can be verified and reproduced” und “Researchers, research institutions and organisations ensure access to data is as open as possible, as closed as necessary, and where appropriate in line with the FAIR Principles (Findable, Accessible, Interoperable and Re-usable) for data management”. Und im Singapore Statement on Research Integrity heißt es beispielsweise zu Forschungsprotokollen “Researchers should keep clear, accurate records of all research in ways that will allow verification and replication of their work by others” und zu Forschungsergebnissen “Researchers should share data and findings openly and promptly, as soon as they have had an opportunity to establish priority and ownership claims”.

Um Forschungsintegrität zu erreichen, sollten alle Forschungsergebnisse gemäß den anerkannten Standards der jeweiligen wissenschaftlichen Community veröffentlicht werden. In den Wirtschaftswissenschaften treten beispielsweise Fachgesellschaften, wie im deutschsprachigen Raum der Verein für Socialpolitik (VfS) oder der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB), für Glaubwürdigkeit und Transparenz ein und haben ethische Grundregeln verabschiedet. Der Verein für Socialpolitik etwa mit Forderungen wie „Forschung soll transparent und nachvollziehbar sein“ sowie „Bei empirischen Arbeiten sollen […] die verwendeten Datensätze und Programme zur Replikation der Ergebnisse verfügbar gemacht werden“. Beim VHB heißt es (PDF) „Eine notwendige Anforderung an wissenschaftliche Arbeiten besteht in der Nachvollziehbarkeit der erzielten Ergebnisse. Die Erfüllung dieser Anforderung ist bei jedem Forschungsprojekt von Anfang an zu verfolgen und langfristig zu gewährleisten. […] Und nicht zuletzt erfährt die Phase der Datenerhebung durch Datenmanagement eine Aufwertung, die sie zum intellektuellen Wert an sich macht. Daten(sätze) „zitierbar“ zu veröffentlichen erscheint wertvoll und würde eine effiziente Nachnutzung bestehender Datensätze gewährleisten.“