Zusammenhang von Open Science und guter wissenschaftlicher Praxis

Im Rahmen guter wissenschaftlicher Praxis werden grundlegende Regeln und Verhaltensweisen in der Wissenschaft festgelegt, um Forschungsintegrität zu sichern und damit das Vertrauen in das Wissenschaftssystem. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht und aktualisiert beispielsweise regelmäßig entsprechende “Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis” (PDF). In der Umsetzung spielen dabei offene Praktiken wie das Veröffentlichen in Open Access und die Bereitstellung von Forschungsdaten als Open Data eine zunehmende Rolle. Letztlich gibt es sehr große Überschneidungen zwischen guter wissenschaftlicher Praxis und Open Science beziehungsweise Open Science wird als der Weg angesehen, um gute wissenschaftliche Praxis ins digitale Zeitalter zu überführen. In den Wirtschaftswissenschaften spielt in diesem Zusammenhang die „Credibility Revolution“ im Kontext evidenzbasierter Politik und empirischer Forschung eine wichtige Rolle, wodurch Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Forschung und damit Offenheit stärker in den Vordergrund gerückt sind.

Somit kann Open Science als ein konkreter Werkzeugkasten zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Integrität von Forschung betrachtet werden. Digitale Tools und Dienste, die Open Science ermöglichen, decken zugleich Publikationsverzerrungen, schlechte oder schlampige Praktiken und Betrug auf und dienen damit auch der Forschungsethik, -praxis und -integrität. Ziel der Herstellung von Forschungsintegrität ist es dabei nicht, ehrliche Fehler oder “Versagen” zu bestrafen, sondern sicherzustellen, dass der Prozess und die Praxis der Forschung so zuverlässig wie möglich sind. Publikationsverzerrungen entstehen zum Beispiel, wenn Forschende ungültige, negative und nicht schlüssige Ergebnisse nicht veröffentlichen. Gute Forschungspraxis sollte daher die Weitergabe solcher Ergebnisse erfordern, um diese Verzerrung zu verringern. Open Science bietet verschiedene Werkzeuge, die dies fördern. Eine unterstützende Forschungskultur hilft zudem, ein dennoch fehlertolerantes und risikobereites Wissenschaftssystem zu schaffen. Eine Fokussierung auf die gemeinsame Nutzung von Ergebnissen und die Wertschätzung des Teilens bei der Bewertung von Forschung ist in dieser Hinsicht zentral und zeigt wiederum Überschneidungen mit der Open-Science-Bewegung, die hierfür förderlich ist.

Um Forschungsintegrität zu erreichen, sollten alle Forschungsergebnisse gemäß den anerkannten Standards der jeweiligen wissenschaftlichen Community veröffentlicht werden. Für jedes Forschungsprojekt sollten Forschende Konditionen definieren, unter denen ihre Arbeit repliziert oder anders von anderen verifiziert werden kann. Forschungsintegrität wird also mit den Mitteln von Open Science erreicht.

In den Wirtschaftswissenschaften treten beispielsweise Fachgesellschaften, wie der Verein für Socialpolitik (VfS) oder der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB), für Glaubwürdigkeit und Transparenz ein und haben ethische Grundregeln verabschiedet. Der Verein für Socialpolitik etwa mit Forderungen wie „Forschung soll transparent und nachvollziehbar sein“ sowie „Bei empirischen Arbeiten sollen […] die verwendeten Datensätze und Programme zur Replikation der Ergebnisse verfügbar gemacht werden“. Beim VHB heißt es (PDF) „Eine notwendige Anforderung an wissenschaftliche Arbeiten besteht in der Nachvollziehbarkeit der erzielten Ergebnisse. Die Erfüllung dieser Anforderung ist bei jedem Forschungsprojekt von Anfang an zu verfolgen und langfristig zu gewährleisten. […] Und nicht zuletzt erfährt die Phase der Datenerhebung durch Datenmanagement eine Aufwertung, die sie zum intellektuellen Wert an sich macht. Daten(sätze) „zitierbar“ zu veröffentlichen erscheint wertvoll und würde eine effiziente Nachnutzung bestehender Datensätze gewährleisten.“