Sorgen vor negativen Karriereauswirkungen von Open Science

Es wird öfter die Befürchtung geäußert, dass Open Science der wissenschaftlichen Karriere schaden würde. Zu den vielfältigen Befürchtungen gehören:

  • Open Access schränkt die Freiheit ein, in einem gewünschten Journal zu veröffentlichen. Da bereits einige Zeitschriften vollständig in Open Access veröffentlicht werden (Tendenz steigend), gibt es durchaus Auswahlmöglichkeiten für Open-Access-Zeitschriften. Darüber hinaus bietet ein großer Anteil der kostenpflichtigen Abonnement-Zeitschriften “hybriden” Open Access an. Damit wird es den Autor:innen erlaubt, ihre individuellen Artikel den Leser:innen frei zugänglich zu machen. Somit können Autor:innen aus einer Vielzahl von qualitativ hochwertigen, seriösen Open-Access-Publikationsmöglichkeiten wählen. Es lohnt sich, diese Open-Access-Optionen einmal anzuschauen und dabei abgesehen vom Impact Factor auch die allgemeinen Vorteile von Open Access zu berücksichtigen.
  • Andere werden mein geistiges Eigentum stehlen, wenn ich meine Forschungsergebnisse offen lege. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass der offene Austausch von Daten und Veröffentlichungen dazu führt, dass andere Ihre Forschungsideen für sich beanspruchen. Um dieser Befürchtung besonders Rechnung zu tragen, gibt es oft die Möglichkeit, dass Sie Ihre Ergebnisse entwickeln und zunächst nicht oder nur begrenzt veröffentlichen. Mit einem langen, aber nicht unbegrenzten Zeitraum (Embargofrist), in dem Sie das alleinige Recht haben, aus Ihrer Arbeit exklusiv Wert zu schöpfen, gibt es einen ausreichenden Schutz vor Ausbeutung. Des weiteren können Sie schon bevor Sie mit einer Studie beginnen, Ihr Studienkonzept über einen Preregistered Report bei einem Journal einreichen. Wenn der Report zur Veröffentlichung angenommen wird, können Sie nachweisen, dass die Studienmethodik von Ihnen stammt. Sie ist somit auch zitierbar. Ein Beispiel aus den Wirtschaftswissenschaften ist “Bridging the Gap: Evidence from externally hired CEOs“. Zugleich sollte man bedenken, dass ein Ideendiebstahl zu einem gewissen Grad zu den Grundsäulen der Wissenschaft im Allgemeinen und Open Science im Speziellen gehört: Steal like a(n Open) Scientist.
  • Open Science lenkt mich von meiner zentralen Arbeit ab, Forschungsergebnisse in renommierten Zeitschriften zu publizieren. Zwar kann Open Science zunächst einmal an einigen Stellen mehr Aufwand bedeuten, insbesondere, wenn man neu mit Open Science startet. Gleichzeitig kann die Open-Science-Praxis aber auch zu einem größeren Erfolg bei Publikationen in renommierten Zeitschriften beitragen. Denn wer Open Science praktiziert, folgt der guten wissenschaftlichen Praxis und macht zudem die eigenen Forschungsergebnisse für andere leichter nachvollziehbar, auch für Gutachter:innen und Redakteur:innen.Generell ist zu anzumerken, dass Open Science der eigenen wissenschaftlichen Karriere im Allgemeinen nicht schadet. Im Gegenteil gibt es sogar Hinweise darauf, dass Open Science die Karriere fördern kann: siehe “Individueller Nutzen von Open Science