Herausforderungen bei Open Access

Es gibt einige Hürden und Nachteile, die immer mal als Grund genannt werden, Open Access nicht zu praktizieren. Inwiefern sie zutreffen oder ihnen auch entgegengewirkt werden kann, haben wir im Folgenden aufgeschlüsselt:

  • Angst davor, keine Kontrolle mehr über die eigenen Forschungsergebnisse zu haben: Aber Urheberrechte gelten prinzipiell auch bei der Veröffentlichung im Open Access. Zudem kann man Open-Content-Lizenzen wie die Creative-Commons-Lizenz nach den eigenen Wünschen einsetzen, wenn man Text oder Daten veröffentlicht.
  • Weniger Sichtbarkeit und Prestige: Es ist ein Mythos, dass die Veröffentlichung im Open Access zu Lasten von Sichtbarkeit und Prestige gehen würde. Das Gegenteil trifft zu: Open Access führt zu mehr Sichtbarkeit und Zitationen.
  • Open Access bedeutet, in Journals mit einem niedrigen Impact-Faktor zu veröffentlichen: Einerseits kann man hier entgegenhalten, dass der Impact-Faktor nicht alles ist. Falls er einem dennoch sehr wichtig ist, so kann man andererseits beispielsweise bei Thomson Reuters nach Open-Access-Zeitschriften mit Impact-Faktor suchen.
  • Open-Access-Zeitschriften und ihr Peer Review sind von geringer Qualität: Auch dies ist ein Mythos, zumal der Peer Review bei Open Access oft transparent gestaltet ist, was dessen Qualität eher erhöht. Zudem kann etwa der Gefahr minderwertiger Predatory Journals begegnet werden, indem man bestimmte Punkte überprüft.
  • Open Access wirkt sich negativ auf Karriere- und Finanzierungsmöglichkeiten aus: Gemäß der von mehr als 500 Organisationen und 12.000 Individuen unterzeichneten DORA (Declaration on Research Assessment) sollen zeitschriftenbasierte Metriken (journal-based metrics) bei Karriere- oder Finanzierungsentscheidungen nicht berücksichtigt werden. Vielmehr soll der Inhalt eines Papers eine größere Rolle spielen als die Zeitschrift, in der es veröffentlicht wurde, und es soll der Wert und der Impact aller Forschungsoutputs berücksichtigt werden. Zudem ist Open Access mittlerweile oft bereits Voraussetzung, um sich Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen.
  • Open Access kostet zu viel: Open Access muss aber nichts oder nicht viel kosten. Schließlich kostet etwa die Selbstarchivierung gar nichts. Bei vielen Open-Access-Journals kostet das Publizieren keine APC-Gebühren, und falls doch, gibt es auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten. Ein Problem von Open Access ist aber, dass der Begriff zum Teil absichtlich oder fahrlässig aufgeweicht wird und auch für Produkte und Geschäftsmodelle genutzt wird, die nicht offen sind. Dies ist etwa bei kostenpflichtigen Zeitschriften der Fall, die im Rahmen eines hybriden Modells anbieten, akzeptierte Papers auch individuell im Open Access zu veröffentlichen. Dies führt zu Missverständnissen und macht die Situation unübersichtlicher.
  • Open Access führt zu einer Erhöhung der Publikationsflut: Da aufgrund des APC-Modells viele Verlage neue OA-Journals starten, ist dieser Punkt nicht ganz von der Hand zu weisen.