Befürchtung von Karrierenachteilen bei Veröffentlichungen in Open-Access-Journals

Der Befürchtung, dass sich Open Access negativ auf Karriere- und Finanzierungsmöglichkeiten auswirken könnte, kann unter anderem entgegengehalten werden, dass sich ein Wandel bei Karrieremöglichkeiten in der Wissenschaft abzeichnet: Gemäß der von mehr als 500 Organisationen und 12.000 Individuen unterzeichneten DORA (Declaration on Research Assessment) sollen zeitschriftenbasierte Metriken (journal-based metrics) bei Karriere- oder Finanzierungsentscheidungen nicht berücksichtigt werden. Vielmehr soll der Inhalt eines Papers eine größere Rolle spielen als die Zeitschrift, in der es veröffentlicht wurde. Darüber hinaus soll der Wert und der Impact aller Forschungsoutputs berücksichtigt werden.

Zu den weiteren Befürchtungen, dass Open Access der eigenen Karriere schaden könnte, gehören:

  • Open Access schränkt die Freiheit ein, in einem gewünschten Journal zu veröffentlichen: Da es viele Zeitschriften gibt, die vollständig als Open-Access-Zeitschriften veröffentlicht werden, gibt es eine große Auswahl an Open-Access-Publikationsmöglichkeiten. Darüber hinaus bietet ein großer Anteil der kostenpflichtigen Abonnement-Zeitschriften “hybriden” Open Access an. Damit wird es den Autor:innen erlaubt, ihre individuellen Artikel den Leser:innen frei zugänglich zu machen. Somit können Autor:innen aus einer Fülle von qualitativ hochwertigen, seriösen Open-Access-Publikationsmöglichkeiten wählen und müssen daher keinen Schaden für ihre Karriere befürchten. In vielen Ländern werden zunehmend auch Rahmenverträge zwischen Wissenschaftseinrichtungen und großen Fachverlagen geschlossen. Diese schließen das Veröffentlichen in den entsprechenden Journals im Open Access von vornherein ein. Hier fallen für die einzelnen Autor:innen also keine individuellen Autorengebühren mehr an – diese sind vielmehr im Rahmenvertrag eingepreist.
  • Andere könnten mein geistiges Eigentum stehlen, wenn ich meine Forschungsergebnisse offenlege: Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass der offene Austausch von Veröffentlichungen dazu führt, dass andere Ihre Forschungsideen für sich beanspruchen.
  • Die Befürchtung, keine Kontrolle mehr darüber zu haben, was mit den eigenen Forschungsergebnissen passiert: Urheberrechte gelten aber prinzipiell auch bei der Veröffentlichung im Open Access. Zudem kann man Open-Content-Lizenzen wie die Creative-Commons-Lizenz nach den eigenen Wünschen einsetzen, wenn man Texte oder Daten veröffentlicht. Open Access gibt einem mehr Kontrolle darüber, wie und wo die eigene Arbeit veröffentlicht wird.
  • Weniger Sichtbarkeit und Prestige: Es ist ein Mythos, dass die Veröffentlichung im Open Access zu Lasten von Sichtbarkeit und Prestige gehen würde. Das Gegenteil trifft zu: Open Access führt zu mehr Sichtbarkeit und Zitationen. Außerdem bedeutet Open Access nicht zwangsläufig, in Journals mit einem niedrigen Impact-Faktor zu veröffentlichen.
  • Peer Review bei Open-Access-Zeitschriften ist von geringer Qualität: Auch dies ist ein Mythos, zumal der Peer Review bei Open Access oft transparent gestaltet ist, was dessen Qualität eher erhöht. Nichtsdestotrotz gilt es natürlich zu vermeiden, dass man aus Versehen in einem Predatory Journal veröffentlicht. Um dieser Gefahr vorzubeugen, haben wir eine Checkliste für Sie erstellt. Generell ist hier anzumerken, dass das Peer Review eines Journals immer abhängig von den dort involvierten Forscher:innen und der gelebten Praxis ist – und diese ist immer im Einzelfall, und zwar unabhängig vom Geschäftsmodell eines Journals zu bewerten.
  • Open Access kostet mir zu viel und schränkt daher meine Karrieremöglichkeiten ein: Open Access muss aber nichts oder nicht viel kosten. Schließlich kostet etwa eine Selbstarchivierung gar nichts. Bei vielen Open-Access-Journals kostet das Publizieren keine Gebühren, und falls doch, gibt es auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten.

Generell ist anzumerken, dass Open Access der eigenen wissenschaftlichen Karriere im Allgemeinen nicht schadet. Im Gegenteil könnte Open Access Ihre Karriere sogar fördern. Denn zu den Vorteilen von Open Access zählen:

  • Open Access macht wissenschaftliche Arbeit sichtbarer. Open Access führt zu höheren Zitationsraten sowie zu mehr Medienaufmerksamkeit, Kooperationsmöglichkeiten, Karrierechancen und Fördermöglichkeiten.
  • Open Access führt zu einem größeren Impact Ihrer Forschungsarbeit und fördert den Wissenstransfer. Ihre Arbeit kann so besser in der Praxis angewendet werden und einen größeren gesellschaftlichen Nutzen entfalten.
  • Open Access erleichtert es, konstruktives Feedback zur eigenen Forschung zu bekommen und ihre Qualität zu verbessern. Wenn Sie Ihre Arbeit im Open Access veröffentlichen, geht dies prinzipiell sofort und sie können schnell Feedback aus der Community bekommen.
  • Gute wissenschaftliche Praxis und Übereinstimmung mit Förderrichtlinien: Im Open Access zu veröffentlichen, bedeutet, gute wissenschaftliche Praxis zu praktizieren und gleichzeitig Förderrichtlinien einzuhalten. Denn Forschungsförderinstitutionen erwarten zunehmend, dass die Ergebnisse geförderter Forschungsprojekte im Open Access veröffentlicht werden. Schließlich sollte öffentlich finanzierte Forschung frei zugänglich sein.

Weitere Informationen zu den Vorteilen von Open Access haben wir unter “Individueller Nutzen von Open Access” für Sie aufgelistet.